GÜNTHER KRABBENHÖFT
Eine Reflexion über Stil, Zeit und Persönlichkeit
Eine Reflexion über Stil, Zeit und ein JA zum Leben
GÜNTHER KRABBENHÖFT
Eine Reflexion über Stil, Zeit und ein JA zum Leben
das KULTURgespräch
Günther Krabbenhöft ist eine Stilikone. Und diese Aussage steht außer Zweifel. Vielen ist er längst ein vertrautes Gesicht, gerade in Berlin, wo er lebt und aus der digitalen Öffentlichkeit. Mit seiner unverwechselbaren Erscheinung und seinem Stil! Aber dieses Attribut umreißt nur vage einen Menschen wie ihn, der 2015 aus einem Zufall heraus, einer schon sehr speziellen Situation, durch die sozialen Netzwerke plötzlich eine enorme öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr. Eine Geschichte, die wahrscheinlich in dieser Art und Weise kein zweites Mal passiert ist. Mit 69 Jahren ging eine Tür auf zu einem neuen Leben. In unserem Gespräch erzählt er, was eigentlich genau geschah. Diese Geschichte hat eine so unglaubliche Wucht, Tiefe und Intensität, die nicht nur fesselt, sondern sehr inspiriert und motiviert. Gleichzeitig liegt dahinter unwillkürlich auch eine Botschaft: Ein Ja zum Leben!
virtualdesignmagazine Michael Hiller
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Herr Krabbenhöft, ich freue mich wirklich sehr, mit Ihnen über die Themen Mode, Stil und Haltung sprechen zu können. Aber es liegt mir auch sehr am Herzen, mit Ihnen über das Leben zu sprechen. Sie haben sehr viel erlebt und der Gesamtstil oder der Style, den Sie jetzt nach außen hin verkörpern, der hat ja auch eine Lebensgeschichte. Das hat sich wahrscheinlich nicht von jetzt auf gleich entwickelt, sondern es hat eine Zeit gebraucht, sich in einer Art darzustellen und so Ihre Persönlichkeit zu zeigen. Das ist eine Entwicklung. Sie sind 2015 in Berlin durch einen britischen Touristen fotografiert worden und von dort aus ging es dann viral durch die Welt.
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Günther Krabbenhöft
Günther Krabbenhöft
Es war auf dem U-Bahnhof, ich wartete auf die U-Bahn, dann kam jemand auf mich zu und fragte, ob er ein Foto von mir machen könnte. Und dann habe ich gesagt, oh, da hinten kommt schon die Bahn. Nee, eigentlich nicht. Da war er ein bisschen enttäuscht, ja, fand er schade und dann hat er sich wieder entfernt. Ich hab ihn noch so im Blick gehabt und habe gedacht, er soll jetzt nicht irgendwie heimlich ein Foto schießen oder so was. Aber er kam wieder zurück und bettelte regelrecht um dieses Foto und dann habe ich gesagt, ja, okay, wenn wir es jetzt irgendwie schnell machen, dann kann ich noch in den Zug einsteigen. Das hat er dann auch gemacht und wir sind zusammen in den Zug eingestiegen, weil er auch weiterfahren wollte.
Er fragte noch nach meiner Adresse, falls ich das Foto vielleicht haben möchte. Ich hab ihm noch gesagt, dass das Foto wirklich nur privat ist. Das habe ich gerade in Englisch noch hingekriegt.
Das hat er versprochen und damit war die Sache auch erstmal für mich erledigt. Und dann mit so einer kleinen Verspätung, ich glaube so 10, 12 Tage, ich weiß es nicht mehr genau, dann rief mich eine Freundin an, die ich hier aus Berlin kannte, die aber in London lebte. Und die schrieb mir und sagte, weißt du, was hier im Netz los ist. Die reden alle über ein Foto von dir und irgendwie ist dazu so eine komische Geschichte geschrieben. Und sie hätte dann auch zu den Leuten gesagt, hey, was spekuliert ihr? Ich kenne diesen Mann, der ist Berliner. Dann machte sie so einen Screenshot davon und schickte mir das. Es war dieses Foto, was von mir gemacht wurde, wie ich da stehe im Hut und mit meinem Gehrock und Smartphone in der Hand. Und darunter stand: dieser Mann ist 105 Jahre alt, tanzt in den angesagten Clubs und kleidet sich besser als die meisten Männer oder so. Und ja, das war dann diese Geschichte, die irgendwie dazu gemacht wurde, von wem auch immer. Wir haben später mal über meine Agentin versucht, herauszufinden, wann es das erste Mal bei Facebook veröffentlicht wurde. Aber da sind wir leider nicht weitergekommen, dass dieses Foto aber dann wirklich so viral rund um die Welt ging – das lief in den Tickers der Taxis von New York, in skandinavischen Ländern, Australien, China, Japan und Russland. Ich stand immer nur staunend davor. Smartphone war für mich noch neu, ich kannte noch gar nicht diese ganzen Möglichkeiten. Ich glaube, am Anfang habe ich nur telefoniert damit.
Und dann bin ich also zu Freunden gefahren nach Mallorca, war ein kleiner Urlaub, ich wollte sie besuchen. Dort erreichte mich die Nachricht von einem Bekannten, also von einem Fotografen, der sich bei meinem Freund in Mallorca gemeldet hat, und ich hatte, glaube ich, noch keine E-Mail-Adresse, ich war also gar nicht so zu erreichen. Er schrieb, wann ich denn nach Hause komme. Ich sollte möglichst schnell machen, man sucht mich und dann stellte sich heraus, dass das eine japanische Modefirma war, die mit einem Foto von mir in Kreuzberg rumliefen und fragten, kennt ihr diesen Mann? Wir suchen den. Das war, so eine Geschichte, irgendwie, da habe ich so gestaunt und gedacht: ja, okay, ich komme in zwei Tagen sowieso zurück. Die haben dann mit mir eine Fotostrecke gemacht, aber das war United Arrowriesen, und die hatten irgendwie, das war so ein Modellabel, die so Herrenkleidung, Outfits verkauften. Die wollten nicht mich in ihren Sachen haben, sondern mich mit meinen Sachen. Und die kamen dann nach Berlin und haben eine Fotostrecke mit mir gemacht, hier im Kiez, mit meinen Sachen, und haben mich so irgendwie über fünf Seiten irgendwie, habe ich in diesem Magazin, das habe ich natürlich noch, das war meine erste breite, öffentliche Präsentation, und dann fand ich alles sehr aufregend. So ging es eigentlich los, und dann kam das Fernsehen, deutsche Fernsehen, und das vierte Rundenbüro. Es hat eigentlich bis heute nicht aufgehört, und weil ja auch so eine Entwicklung von mir war, dass ich dann irgendwann gesagt habe, dieser Mann, der da draußen irgendwie auf dem Bahnsteig stand, und dann, ja, da steckt mehr hinter als irgendwie nur jemand, der sich da irgendwie ganz klassisch wie ein Gentleman anzieht oder so, und dann ging das an die Schlagerflage, ja, so fing das an, die ganze Geschichte. Aber, ja, damit startete das alles.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Herr Krabbenhöft, ich freue mich wirklich sehr, mit Ihnen über Mode und Stil sprechen zu können. Aber es liegt mir auch am Herzen, mit Ihnen über das Leben zu sprechen. Sie haben sehr viel erlebt und der Gesamtstil oder der Style, den Sie jetzt nach außen hin verkörpern, hat ja auch eine Lebensgeschichte. Das hat sich wahrscheinlich nicht von jetzt auf gleich entwickelt, sondern es hat eine Zeit gebraucht, sich in einer Art darzustellen und so Ihre Persönlichkeit zu zeigen. Das ist eine Entwicklung. Sie sind 2015 in Berlin durch einen britischen Touristen fotografiert worden und von dort aus ging es dann viral durch die Welt.
Günther Krabbenhöft
Ja, rund um die Welt, tatsächlich war es so. Ich habe gestaunt.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Günther Krabbenhöft
Es war auf dem U-Bahnhof, ich wartete auf die U-Bahn, dann kam jemand auf mich zu und fragte, ob er ein Foto von mir machen könnte. Und dann habe ich gesagt, oh, da hinten kommt schon die Bahn. Nee, eigentlich nicht. Da war er ein bisschen enttäuscht, ja, fand er schade und dann hat er sich wieder entfernt. Ich hab ihn noch so im Blick gehabt und habe gedacht, er soll jetzt nicht irgendwie heimlich ein Foto schießen oder so was. Aber er kam wieder zurück und bettelte regelrecht um dieses Foto und dann habe ich gesagt, ja, okay, wenn wir es jetzt irgendwie schnell machen, dann kann ich noch in den Zug einsteigen. Das hat er dann auch gemacht und wir sind zusammen in den Zug eingestiegen, weil er auch weiterfahren wollte.
Er fragte mich nach meiner Adresse, falls ich das Foto vielleicht haben möchte. Ich hab ihm noch gesagt, dass das Foto wirklich nur privat ist. Das habe ich gerade in Englisch noch hingekriegt. Er hat es versprochen und damit war die Sache erstmal für mich erledigt.
Und dann, mit einer kleinen Verspätung, ich glaube so 10, 12 Tage, ich weiß es nicht mehr genau, meldete sich eine Freundin bei mir, die ich hier aus Berlin kannte, die aber in London lebte. Und die schrieb mir und sagte, weißt du, was hier im Netz los ist? Die reden alle über ein Foto von dir und irgendwie ist dazu so eine komische Geschichte geschrieben. Sie hätte dann auch zu den Leuten gesagt, hey, was spekuliert ihr? Ich kenne diesen Mann, der ist Berliner.
…ich kenne
diesen Mann,
der ist Berliner.
...ich kenne diesen Mann, der ist Berliner
...dann machten sie so einen Screenshot davon
und schickte mir diesen. Es war das Foto, das von mir gemacht wurde, wie ich da stehe mit Hut und mit meinem Gehrock und Smartphone in der Hand. Und darunter stand: dieser Mann ist 105 Jahre alt, tanzt in den angesagten Clubs und kleidet sich besser als die meisten Männer. Und ja, das war dann diese Geschichte, die zu dem Foto gemacht wurde, von wem auch immer.
Wir haben später mal über meine Agentin versucht, herauszufinden, wann es das erste Mal bei Facebook veröffentlicht wurde. Aber da sind wir leider nicht weitergekommen. Dass dieses Foto aber dann wirklich so viral rund um die Welt ging – das lief in den Tickers der Taxis von New York, in skandinavischen Ländern, Australien, China, Japan und Russland. Ich stand immer nur staunend davor. Smartphone war für mich noch neu, ich kannte noch gar nicht diese ganzen Möglichkeiten. Ich glaube, am Anfang habe ich nur telefoniert damit.
Und dann bin ich zu Freunden nach Mallorca gefahren, ein kleiner Urlaub, ich wollte sie besuchen. Dort erreichte mich die Nachricht von einem Bekannten, einem Fotografen, der sich bei meinem Freund in Mallorca gemeldet hat, und ich hatte, glaube ich, noch keine E-Mail-Adresse, ich war also gar nicht so zu erreichen. Er schrieb, wann ich denn nach Hause komme. Ich sollte möglichst schnell machen, man sucht mich und dann stellte sich heraus, dass Mitarbeiter einer japanischen Modefirma mit einem Foto von mir in Kreuzberg unterwegs waren und fragten, kennt ihr diesen Mann? Wir suchen den. Das war eine Geschichte, da habe ich gestaunt und gedacht: ja, okay, ich komme in zwei Tagen sowieso zurück.
Wieder in Berlin, stellte sich heraus, dass es sich um das Modelabel Unitet Arrows handelte, Herren-Outfits. Sie wollten nicht mich in ihren Sachen haben, sondern mich mit meinen Sachen. Sie haben eine Fotostrecke mit mir gemacht, hier im Kiez, die über 5 Seiten in einem Magazin zu sehen war. Das Magazin habe ich natürlich noch. Das war meine erste breite, öffentliche Präsentation und es war alles sehr aufregend.
So ging es eigentlich los, und dann kam das Fernsehen. Es hat eigentlich bis heute nicht aufgehört.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Günther Krabbenhöft
Das kann man sich nicht ausdenken, das ist eine Geschichte, jemanden so bekannt zu machen. Und jetzt denke ich immer, ich fasse es nicht, ja es wäre ein Marketing-Coup gewesen, das ist unglaublich, ja.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Günther Krabbenhöft
Ja, ich fand das ganz spannend und aufregend und dachte, da hat sich jetzt eine Tür geöffnet und so, und da gehst du jetzt mal durch und schaust, was auf der anderen Seite da ist und was sich da entwickelt. Ich hatte ja keinen Plan, ich war einfach neugierig auf das, was da vielleicht jetzt zu sehen ist, zu erleben ist. Menschen und Dinge, denen ich begegnen kann, die ich sonst wahrscheinlich nie gesehen hätte. Es war so ein kleines Abenteuer. Und dann habe ich gedacht, wenn mir das nicht gefällt, kann ich ja jederzeit zurückgehen. Das war auch immer das Entspannte dabei, das auf mich zukommen zu lassen. Und dann habe ich geschaut. Und ich hatte halt keinen Weg und keinen Plan. Und wollte einfach nur Spaß haben.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Günther Krabbenhöft
Oberflächlich betrachtet, nein, natürlich bin ich das auch. Aber es ist auch ein Weg gewesen.
Es war nicht immer so. Das ist aber das Spannende dabei, dass ich sehr viel gelernt habe über mich. Ich wusste am Anfang nur, dass ich keine ‘Rolle’ spielen wollte. Ich wollte einfach immer bei mir bleiben und wirklich den Menschen zeigen, wie ich bin.
Ich habe natürlich auch schnell gemerkt, dass im Netz ein bestimmtes Bild gezeigt wurde, von Menschen, von einer Art Makellosigkeit. Man wollte Trends servieren, Bilder liefern, etwas bedienen. Ich habe mich darin nie wirklich gesehen.
Mir war immer wichtig, ich selbst zu bleiben. Über Dinge zu sprechen, die aus meinen eigenen Erfahrungen kommen, die mich wirklich beschäftigen. Nicht, weil man auf ein Thema aufspringt, nur weil es gerade alle interessiert. Das war mir immer klar – und das hat sich durch mein ganzes Leben gezogen: Ich bin immer ich selbst geblieben und habe den Menschen nie etwas vorgemacht.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Günther Krabbenhöft
Ja, ja, nach dem Krieg, genau, mein Geburtstort ist Hetjershausen in der Nähe von Göttingen. Mittlerweile gehört das wahrscheinlich zu Göttingen, ja.
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Günther Krabbenhöft
Nein, nein, sicherlich nicht.
Ich kenne diesen Mann, der ist Berliner. Dann machte sie so einen Screenshot davon und schickte mir das. Es war dieses Foto, was von mir gemacht wurde, wie ich da stehe im Hut und mit meinem Gehrock und Smartphone in der Hand. Und darunter stand: dieser Mann ist 105 Jahre alt, tanzt in den angesagten Clubs und kleidet sich besser als die meisten Männer oder so. Und ja, das war dann diese Geschichte, die irgendwie dazu gemacht wurde, von wem auch immer. Wir haben später mal über meine Agentin versucht, herauszufinden, wann es das erste Mal bei Facebook veröffentlicht wurde. Aber da sind wir leider nicht weitergekommen, dass dieses Foto aber dann wirklich so viral rund um die Welt ging – das lief in den Tickers der Taxis von New York, in skandinavischen Ländern, Australien, China, Japan und Russland. Ich stand immer nur staunend davor. Smartphone war für mich noch neu, ich kannte noch gar nicht diese ganzen Möglichkeiten. Ich glaube, am Anfang habe ich nur telefoniert damit.
Und dann bin ich also zu Freunden gefahren nach Mallorca, war ein kleiner Urlaub, ich wollte sie besuchen. Dort erreichte mich die Nachricht von einem Bekannten, also von einem Fotografen, der sich bei meinem Freund in Mallorca gemeldet hat, und ich hatte, glaube ich, noch keine E-Mail-Adresse, ich war also gar nicht so zu erreichen. Er schrieb, wann ich denn nach Hause komme. Ich sollte möglichst schnell machen, man sucht mich und dann stellte sich heraus, dass das eine japanische Modefirma war, die mit einem Foto von mir in Kreuzberg rumliefen und fragten, kennt ihr diesen Mann? Wir suchen den. Das war, so eine Geschichte, irgendwie, da habe ich so gestaunt und gedacht: ja, okay, ich komme in zwei Tagen sowieso zurück. Die haben dann mit mir eine Fotostrecke gemacht, aber das war United Arrowriesen, und die hatten irgendwie, das war so ein Modellabel, die so Herrenkleidung, Outfits verkauften. Die wollten nicht mich in ihren Sachen haben, sondern mich mit meinen Sachen. Und die kamen dann nach Berlin und haben eine Fotostrecke mit mir gemacht, hier im Kiez, mit meinen Sachen, und haben mich so irgendwie über fünf Seiten irgendwie, habe ich in diesem Magazin, das habe ich natürlich noch, das war meine erste breite, öffentliche Präsentation, und dann fand ich alles sehr aufregend. So ging es eigentlich los, und dann kam das Fernsehen, deutsche Fernsehen, und das vierte Rundenbüro. Es hat eigentlich bis heute nicht aufgehört, und weil ja auch so eine Entwicklung von mir war, dass ich dann irgendwann gesagt habe, dieser Mann, der da draußen irgendwie auf dem Bahnsteig stand, und dann, ja, da steckt mehr hinter als irgendwie nur jemand, der sich da irgendwie ganz klassisch wie ein Gentleman anzieht oder so, und dann ging das an die Schlagerflage, ja, so fing das an, die ganze Geschichte. Aber, ja, damit startete das alles.
das KULTUR
gespräch
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