Links im Bild Roland Stocker von BMW Motorrad
RALF EGGL [WOIDWERK]
RALF EGGL [WOIDWERK]
der mobility:zooom Talk
der mobility:zooomTALK
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Du verbindest in deiner Manufaktur Design und Handwerk als perfekte Symbiose. Was ich damit meine ist, dass viele Customizer doch eher auch das Design von der handwerklichen Seite betrachten, also eher dabei ein handwerklich gut gemachtes Bike herauskommt, aber nicht unbedingt ein designorientiertes Modell. Wobei das aber überhaupt keine Wertung darstellen soll. Eher eine Feststellung. BMW Motorräder leben aber eher aus dem Verständnis des Industrialdesigns, des Fahrzeugdesigns.
Und diesem musste ja auch Rechnung getragen werden, oder?
Das Erscheinungsbild beider Modelle ist ja sehr prägnant. Wie frei warst du da bei beiden Modellen?
WOIDWERK Ralf Eggl
Ja Michael, mir ist das Design bei meiner Arbeit sehr wichtig, entsprechend gehe ich auch an jedes Projekt ran.
Bei dem BMW Motorrad-Projekt war ich von Anfang an völlig frei in der Designfindung und meinem Tun bei den Bikes. Das war auch BMW sehr wichtig. Toll war natürlich auch, dass ich bei einem Kickoff-Meeting im BMW-Motorrad-Headquarter in München viele Menschen kennenlernen durfte, die die Fahrzeuge konstruiert und designt haben, allen voran dem Designverantwortlichen der Heritageserie, Barth Groesbeek, der mich mit der Designidee und Architektur beider Fahrzeugserien vertraut machte. Als ich nach ein paar Wochen mitten im Projekt war und schon einiges an Designarbeit erledigt war, durfte ich mich zudem über einen Besuch von Barth Groesbeek freuen, bei der wir über das Design und mehr philosophierten, aber auch hier zu keinem Zeitpunkt eine Richtungsweisung oder eine Wertung meiner Arbeit, damit ich mich nicht beeinflusst fühle – das war wirklich toll.
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Es wurden viele Bauteile speziell neu entwickelt. Gerade bei der BMW R 18.
Wie der Schwingenabschluss mit Kennzeichenträger oder die Konstruktion der Rücklichter. Entweder CNC gefertigt oder mit dem 3D- Drucker realisiert. Was dann ja auch bedeutet, das die Vorplanung schon sehr präzise im Detail gewesen sein muss.
Hat sich die Komplexität für das gesamte Projekt schon am Anfang abgezeichnet? Stand für dich schon da fest, es muss mit dem 3D-Drucker gearbeitet werden und ohne CNC Arbeit geht es sowieso nicht?
WOIDWERK Ralf Eggl
Ja, das war eigentlich von Haus aus klar und unumgänglich – wenn auch nicht in der Fülle. Vieles hat sich erst im Tun ergeben, weil ich feststellte, mit meinen eigenen Werkstattmöglichkeiten nicht mehr weiterzukommen.
Gott sei Dank habe ich tolle Freunde und Partner, die sich bereit erklärt haben, mich hier zu unterstützen. Allen voran mein Freund Alexander Schaab der eine Koryphäe im Bereich des Straks ist. Durch seine Erfahrung vor allem auch im Motorradbereich hat er meine Ideen immer innerhalb kürzester Zeit in die Realität umgesetzt. Natürlich mussten die Teile auch gedruckt und gefräst werden, auch hier habe ich mit der Fa. Gierl DCP um Stefan Gierl einen Freund an der Seite, der mich hier mit perfekten Teilen bis hin zum Oberflächenfinish beliefert hat.
der mobility:
zooom
Talk
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Wie lange hat das Projekt „The Speed Sisters“ gedauert? Also Planung und Ausführung?
WOIDWERK Ralf Eggl
Der grobe Plan für die R 18 stand für mich schon im Herbst 2024 fest. Mitte März 2025 standen eine nagelneue R 18 und eine R 12 bei mir am Hof – was für ein Augenblick – es konnte losgehen! Ich machte mich zeitnah ans Zerlegen der beiden Fahrzeuge um mir einen Überblick der Gegebenheiten zu verschaffen, da ich ja beide Modelle noch nie in der Hand hatte. Nun konnte es auch mit meiner Planung konkreter werden und ich startete mit dem Heck der R 18. Stück für Stück arbeitete ich mich weiter vor und stieß immer gleich div. Konstruktionen an, damit wir das zeitlich irgendwie schafften.
Da das WOIDWERK grundsätzlich eine „One-man-Show“ ist, musste ich mich natürlich parallel auch noch um meine Kundenprojekte kümmern, was nicht ganz leicht war und nur mit so tollen toleranten Kunden möglich ist.
Ende Mai war dann das „Gröbste“ fertig und bereit zur Weiterverarbeitung, Lackierung, Sattler usw. Nun kamen noch viele Feinheiten, wie div. Tankblenden, die aufwendige Kennzeichenhalterlösung, die die Schwinge optisch verlängert, wodurch ich auch die Blinker-/Rücklichtlösung auf der Schwinge anbringen konnte, uvm. Trotz der fleißigen Vorarbeit war es wirklich bis zur letzten Woche vor der Präsentation in Garmisch SEHR spannend, da sich auch bei meinen Partnern das ein oder andere geschoben hat.
Zusammengefasst lag die Planungs-und Bauphase bei ca. 3 Monaten für beide Motorräder! In dieser Zeit hat mich meine Familie nicht allzu oft gesehen.
der mobility:zooom Talk
virtualdesignmagazine Michael Hiller
Die Vorstellung auf den BMW Motorrad Days 2025 in Garmisch-Partenkirchen war ja ein voller Erfolg. Und zu Recht. Beide Umbauten wirken absolut stimmig im Design und der Umsetzung. Eine ganz hervorragende Arbeit.
Könntest du dir vorstellen, dieses Konzept gemeinsam mit BMW Motorrad in eine exklusive, limitierte Kleinserie zu überführen? Vielleicht als Hommage an das Handwerk und als Statement für moderne Custom Culture?
WOIDWERK Ralf Eggl
Ich bin im Moment stark am Überlegen das Konzept beider Fahrzeuge als Kleinserie anzubieten, da ich wirklich total überzeugt davon bin und vor allem die Verwandlung der R 18 und der daraus resultierende Fahrspaß phänomenal ist, und das sag ich als jemand der eigentlich für Cruiser nicht viel übrig hatte. Durch die Paarung der Fahrbarkeit, mit der außergewöhnlichen Optik und dem Wahnsinns-Motor, ist wirklich jede Fahrt ein Erlebnis!
Ralf, ich danke dir herzlich für das Gespräch und die spannenden Einblicke in dieses außergewöhnliche Projekt.